Feuerwerksinitiative

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Am 29. November stimmt das Schweizer Stimmvolk über eine Volksinitiative ab, die den Verkauf und die Verwendung von lautem Feuerwerk verbieten will.

Der Nationalfeiertag am 1. August oder Silvester: Lange Zeit ohne ein Getöse aus Feuerwerk und anderen lauten Knallkörpern kaum denkbar. In den letzten Jahren hat die Trockenheit jedoch immer wieder dazu geführt, dass Feuerwerk in mehreren Kantonen verboten wurde.

Gleichzeitig wird heute darüber diskutiert, ob Feuerwerk noch zeitgemäss ist, da es Mensch, Tier und Umwelt belastet.

Die Initiative wurde von Tierschutzorganisationen ins Leben gerufen. Darum hat sich ein breites Bündnis von Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit und Naturschutz gebildet. Die Initiant:innen sammelten 137’429 gültige Unterschriften, also mehr als die für eine Volksabstimmung nötigen 100’000.

Die Debatte über Feuerwerk geht weit über die Schweizer Grenzen hinaus. Mehrere Länder haben die Verwendung von Feuerwerk bereits eingeschränkt oder verboten.

In den Niederlanden, wo Silvesterfeiern regelmässig von Unfällen und Gewalt überschattet werden, soll noch vor Jahresende ein Verbot der meisten für die breite Öffentlichkeit bestimmten Feuerwerkskörper in Kraft treten. Damit wäre das Land nach Irland die zweite europäische Nation, welche die private Verwendung von Feuerwerk derart stark einschränkt.

Ausserhalb Europas haben auch Australien und Singapur sehr restriktive Regelungen erlassen, nach denen die Verwendung von Feuerwerk weitgehend zugelassenen Fachleuten vorbehalten ist.

Andere Länder haben sich für einen differenzierteren Ansatz entschieden. In Deutschland darf Feuerwerk beispielsweise nur rund um Silvester gezündet werden. Und mehrere Städte haben Zonen eingerichtet, in denen dies verboten ist.

Was sich ändert:

Die Initiative verlangt ein Verbot des Verkaufs und der Verwendung von lauten Feuerwerkskörpern. Pyrotechnik, die keinen Lärm erzeugt, wie etwa Vulkane (Zuckerstöckli), wären weiterhin erlaubt.

Für Anlässe von überregionaler Bedeutung können die Kantone Ausnahmen bewilligen.

Feuerwerk kann Tiere stören, gefährden und Fluchtreflexe auslösen. Laute Knallgeräusche und helle Lichtblitze versetzen viele Tiere in Angst und verursachen Stress. Nutztiere können sich bei Fluchtversuchen verletzen. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen leiden zum Teil unter grossem Stress. Aufgeschreckte Wildtiere fliehen und verbrauchen dadurch wertvolle Energiereserven. Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern kann auch für Mensch und Umwelt eine Belastung darstellen. Gerade bei unsachgemässem Umgang mit Feuerwerkskörper kann es zu Unfällen und Bränden kommen. Und das Abbrennen von Feuerwerk führt kurzzeitig zu hohen Feinstaubkonzentrationen.

Mit der Annahme der Initiative würde in der Bundesverfassung ein Verbot verankert: Der Verkauf und Verwendung von Feuerwerkskörper, die Lärm erzeugen, wären landesweit grundsätzlich verboten. Der Initiativtext lässt offen, welche Produkte genau nicht mehr verkauft und verwendet werden dürfen. Parlament und Bundesrat erhalten nach Annahme der Initiative zwei Jahre Zeit, um das Verbot im Detail zu regeln.

Wer unterstützt was?

Sowohl das Parlament wie auch der Bundesrat empfehlen, die Initiative abzulehnen. Während die Grünen und SP das Vorhaben im Parlament unterstützten, sprachen sich die SVP, FDP und die Mitte entschieden dagegen aus.

Wenig überraschend ist die Feuerwerksindustrie stark gegen die Initiative.

Argumente der Gegner:innen:

Aus Sicht der Gegner:innen geht die Initiative zu weit. Sie weisen zunächst darauf hin, dass Kantone und Gemeinden bereits heute das Recht haben, den Verkauf und die Verwendung von Pyrotechnik einzuschränken. Mehrere von ihnen haben aufgrund der durch die Trockenheit erhöhten Brandgefahr bereits Einschränkungen erlassen.

Die Gegnerschaft betont ausserdem, dass Feuerwerk nur an wenigen Tagen im Jahr verwendet werde. Die dadurch verursachten Belästigungen seien somit ohnehin zeitlich und örtlich begrenzt.

Das Nein-Lager ist zudem der Ansicht, dass die Initiative eine tief verwurzelte, volkstümliche Tradition gefährde, die besonders mit den Feierlichkeiten zum 1. August und zunehmend auch mit Silvester verbunden ist.

Schliesslich sehen die Gegner:innen in einem Verbot einen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit von Unternehmen, die Feuerwerkskörper herstellen, importieren, vermarkten oder zu beruflichen Zwecken verwenden.

Argumente der Befürworter:innen:

Die Befürwortenden der Initiative geben an, dass sie Tiere, Menschen und die Natur schützen wollen, indem sie die durch Pyrotechnik verursachten Belästigungen verringern möchten.

Ihrer Ansicht nach können plötzliche Detonationen bei Tieren Panikreaktionen auslösen und deren Wohlbefinden beeinträchtigen. Manche Haustiere würden fliehen und nie mehr zu ihren Halterinnen und Haltern zurückfinden.

Auch die Bevölkerung sei von dieser Lärmbelästigung betroffen, so das Pro-Lager. Besonders Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit psychischen Beeinträchtigungen reagierten empfindlich auf die Detonationen.

Die Befürwortenden der Initiative heben zudem die Umweltauswirkungen von Feuerwerk hervor. Raketen und Böller würden jährlich rund 1300 Tonnen Abfall erzeugen, von denen ein Teil im öffentlichen Raum oder auf landwirtschaftlichen Flächen lande.

Sie weisen auch darauf hin, dass bei der Verbrennung pyrotechnischer Erzeugnisse mehrere Hundert Tonnen Feinstaub, Metalle und andere Schadstoffe in die Luft gelangen würden.

Das Budget:

Die Ja-Seite hinter den Initant:innen budgetiert aktuell 875’000 Franken für den Abstimmungskampf. Die Nein-Seite budgetiert 100’000 Franken.

Stand: 04.11.2026
Die vollständige Schlussabrechnung liegt erst Mitte Februar 2027 bei der Eidgenössischen Finanzkontrolle zur Einsicht vor.

Abstimmungsfrage:

Das steht auf dem Abstimmungszettel: Wollen Sie die Volksinitiative “Für eine Einschränkung von Feuerwerk” annehmen?

Das bedeutet es:  Willst Du, dass bestimmte Feuerwerkskörper in der Schweiz von Privatpersonen nicht mehr erworben und gezündet werden dürfen?


PS: Egal welcher Meinung du bist, nutze dein Stimmrecht und gehe an die Urne.

PPS: Auch wenn man einen Brief öffnen und wieder abschicken muss, oder am Sonntag ins Abstimmungslokal gehen muss, nicht alle auf dieser Welt können so viel mitbestimmen wie wir. Also sollten wir uns auch einen Tritt in den Arsch geben und es ernst nehmen.


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Oli Wingeier

Oli, findet alles Neue spannend und erstmal gut, ausser die neuen Rechten. Duscht jeden Morgen zu lange, besitzt mehr als tausend Notizbücher und zu viele Gedanken (oder umgekehrt).
Für rethink wühlt er sich jede Woche durch etliche Nachrichten und kreiert dann daraus eine Zusammenfassung der wichtigsten News. Zu lesen und hören als “Weekly”

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