Wenn Frau Holle auf sich warten lässt — und damit Skigebiete herausfordert.

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Die Feiertage zum Jahresende locken jährlich viele Menschen in die Berge und sind für Wintersportgebiete eine zentrale Ertragsquelle. In diesem Jahr macht jedoch der Schneemangel etlichen Destinationen zu schaffen. Bis zum Jahreswechsel lag vielerorts deutlich weniger Schnee als üblich.

Dadurch kommen zwei Faktoren zusammen: Einerseits konnten zahlreiche Skigebiete erst verspätet öffnen, andererseits waren in den geöffneten Gebieten oft nicht alle Pisten befahrbar. Trotzdem zog das sonnige Wetter viele Wintersportlerinnen und Wintersportler über die Nebeldecke hoch in die Berge. Die Folge: volle Pisten.

Grössere Destinationen wie Adelboden-Lenk (BE), das sich zwischen 1’070 und 2’300 Metern über Meer erstreckt, konnten dank intensiver Beschneiung einen Grossteil ihrer Pisten öffnen und sogar leicht mehr Besucherinnen und Besucher anziehen als üblich. Möglich ist dies jedoch nur durch hohe Investitionen in Beschneiungsanlagen sowie immense Betriebskosten durch Wasser und Strom 

Ein Rechenbeispiel liefert das Skigebiet Wildhaus (SG): Ein Kubikmeter Kunstschnee kostet dort rund 1.50 Franken. In einem durchschnittlichen Winter werden etwa 170’000 Kubikmeter Schnee benötigt, was jährlichen Kosten von rund 255’000 Franken für 23 Pistenkilometer entspricht. In grösseren Gebieten wie Arosa (GR) mit rund 255 Pistenkilometern belaufen sich die Kosten für die Beschneiung auf etwa 30’000 Franken pro Tag, wie Walter Tschanz, Leiter Pisten und Rettung der Arosa Bergbahnen erklärt.

Vergleichsweise hart traf es während der Weihnachtsferien die tiefer gelegenen Skigebiete. Ein besonders eindrückliches Beispiel für die schwierige Lage sind die Skilifte Aeschiried bei Spiez (BE). Das Gebiet liegt rund 1’000 Meter tiefer als Adelboden-Lenk. Aufgrund des fehlenden Schnees konnten die Pisten erst am 24. Dezember 2025 geöffnet werden, sprich deutlich später als in anderen Regionen, wo der Betrieb oft bereits Anfang oder Mitte Dezember startete. Die Folge laut Betriebsleiter Ruedi Zenger: In Aeschiried wurde während der Feiertage nur rund die Hälfte des üblichen Umsatzes erzielt.

Aeschiried ist dabei kein Einzelfall. Viele kleinere und tiefer gelegene Skigebiete kämpfen derzeit ums Überleben. Bis heute sind bereits mehr als 40 Prozent der damals rund 550 Skigebiete in der Schweiz verschwunden, viele weil sie nicht mehr schneesicher waren. Diese Entwicklung zwingt den Wintertourismus zum Umdenken, denn zukunftsfähig bleibt nur, wer sein Angebot diversifiziert, ganzjährig plant und sich strategisch neu positioniert.

Im Winter bedeutet dies etwa, verstärkt auf Alternativangebote zu setzen, wie Wellness in den Bergen, kulinarische Gondelerlebnisse oder der Ausbau von Winterwanderwegen, wie im Fall von Aeschiried, das gezielt Fussgängerinnen und Fussgänger anspricht, und nicht nur Skifahrerinnen und SKifahrer. Unterstützung bei der Zukunftsplanung erhalten Skigebiete dabei durch den «Kompass Schnee». Seilbahnen Schweiz, der Verein Schweizer Tourismusmanager und Schweiz Tourismus haben gemeinsam mit dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, MeteoSchweiz sowie dem Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich eine wissenschaftlich fundierte Orientierungshilfe entwickelt. Dieses Instrument soll Skigebieten helfen, die Auswirkungen des Klimawandels systematisch zu bewerten und geeignete strategische Anpassungen zu planen.



Headerbild: Foto: Jean-Paul Wettstein via pexels.com

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