Weekly, KW 11
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Guten Abend aus der rethink-Redaktion.
Heute geht es bei uns um Krieg in Iran und Wahlen in Nepal.
Politischer Neuanfang in Nepal.
Der Traum der nepalesischen Jugend scheint gerade wahr zu werden: Die alten, als korrupt und inkompetent geltenden Parteiführer und ihre Parteien sind abgewählt worden.
Rund 19 Millionen Wahlberechtigte haben vergangene Woche ein neues Parlament gewählt. Die meisten Stimmen erhielt die Partei Rastriya Swatantra (RSP), die noch relativ junge Nationale Unabhängigkeitspartei. Ihr prominentestes Mitglied ist Balandra Shah, der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu. Die Partei ist nur eine Stimme von der Zweidrittelmehrheit im Unterhaus entfernt und hat damit die alten, grossen Parteien uneinholbar auf die Ränge verwiesen.
Der 35-jährige Balendra Shah war der Partei erst kurz vor der Wahl beigetreten. Mit einer klaren Abmachung: Im Falle eines Wahlsiegs der RSP soll Shah Premierminister werden. Er hebt sich durch sein Alter und Auftreten deutlich von seinen Vorgängern im Amt ab. Vor seinem Bürgermeisteramt war Shah als Rapper bekannt, der über soziale Ungleichheit und Korruption singt.
Im vergangenen September waren in Nepal Tausende gegen ein Social-Media-Verbot auf die Strasse gegangen. Während der sogenannten Gen-Z-Proteste kamen über 70 Menschen ums Leben. Als Folge trat die damalige Regierung zurück und löste das Parlament auf. Mit dem diese Woche bekannt gegebenen Wahlergebnis wird der damals angestossene Macht- und Generationenwechsel nun auch in der Regierung abgebildet.
Die Vorgängerregierung werden auch dafür verantwortlich gemacht, dass viel öffentliches Geld in dunklen Kanälen versickert und es zu wenig Beschäftigung gibt in Nepal. Auf der Suche nach Arbeit verlassen täglich rund 2’000 Menschen das Land - auch junge, gut ausgebildete. Ihre Geld-Rücksendungen, abgespart vom Lohn, machen rund ein Viertel der Gesamteinnahmen Nepals aus. Das soll nach der Wahl anders werden. Die Jungen hoffen auf Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven zu Hause.
Krieg in Nahost.
Einschläge in Israel, Angriffe auf Irans Machtapparat, Kämpfe im Südlibanon: Im Krieg im Nahen Osten dauern die gegenseitigen Angriffe an. Israel betont wiederholt die Bereitschaft, den Krieg noch Wochen weiterzuführen.
Mehr als zwei Wochen nach Beginn des Angriffs der USA und Israel auf Iran halten die gegenseitigen Angriffe an. Weiter werden iranische Versorgungsstützpunkte angegriffen, Iran schlägt dagegen mit Raketenangriffe Richtung Israel, auf US-Stützpunkte in der Region und auch die Vereinigten Arabischen Emirate gerieten erneut unter iranischen Beschuss. Gleichzeitig schickte die iran-freundliche Hisbollah aus Libanon Raketen auf Israel, Israel wiederum bombardiert grosse Teile vom Süden Libanons.
Wie es weitergeht:
Sowohl US-Präsident Trump als auch der israelische Regierungschef Netanjahu haben die iranische Zivilbevölkerung erneut dazu aufgerufen, das Regime zu stürzen. Doch die Möglichkeiten der Iraner:innen sind beschränkt. Die Kommunikation im Land ist stark eingeschränkt, weil das Regime seit Beginn des Krieges das Internet abgestellt hat. Gemäss US-Geheimdienstangaben ist die iranische Führung nicht grundlegend geschwächt und verfügt weiterhin über das Gewaltmonopol im Land.
In der Hintergrundsendung “Echo der Zeit” von Radio SRF am Dienstag ging es um die Rolle der Geheimdienste bei der Tötung von Ayatollah Ali Chamenei. Adrian Hänni ist Historiker und forscht zu Auslandsgeheimdiensten. Gemäss ihm hatten sowohl die us-amerikanische CIA wie auch der israelische Mossad wohl Top-Quellen im Umfeld des Staatsoberhauptes. Aber die beiden Länder verliessen sich wohl nicht alleine auf menschliche Quellen, sondern auch auf unzählige Abhör- und Überwachungsmöglichkeiten bei der Kommunikation in der iranischen Regierung. So wählten sie den 28. Februar bewusst für einen Angriff, da sich zu diesem Zeitpunkt viele hochrangige Regierungsmitglieder in Teheran trafen. Das wohl auch, weil sie sich bewusst waren, dass ihre Telekomunikation abgehört werde.
Aber: Nicht alle Entscheidungen würden auf dem Wissen der Geheimdienste basieren:
“[...] Die Einschätzungen der US-Geheimdienste, weisen eigentlich nicht darauf hin, dass eine gezielte Tötung von Chamenei oder ein Militärschlag zum Kollaps des Regimes beitragen können oder sogar die Opposition an die Macht bringen könnte.”
Das sei ein wenig Paradox, einerseits würden diese militärisch taktischen Geheimdienstinformationen höchst effektiv eingesetzt, andererseits scheinen die grossen strategischen Entscheidungen dieses Krieges nicht auf den Analysen der amerikanischen Geheimdiensten gestützt zu sein.
Hänni ordnet weiter ein, dass der amerikanische Präsident und sein Beraterstab offensichtlich nicht vollumfänglich den Einschätzungen und Analysen der Geheimdienste trauen würden. Trump sagte vor einigen Tagen, dass ihm sein Verteidigungsminister, Pete Hegseth, Aussenminister Marco Rubio und weiteren engen Berater wie Steve Witkoff, gesagt hätten, dass der Iran kurz bevorstünde, präventiv die USA anzugreifen, und er deshalb sich gezwungen sah, rasch zuzuschlagen.
Diese Informationen aus seinem engen Beraterumfeld würden aber diametral der Einschätzung der amerikanischen Geheimdiensten widersprechen, die einen solchen unmittelbar bevorstehenden iranischen Angriff nicht für wahrscheinlich gehalten haben.
“Es scheint so zu sein, dass der Präsident eher auf seinen Instinkt und seine Berater hört und die Analysen der amerikanischen Nachrichtendienste weitgehend ignoriert.” So der Historiker im Gespräch im “Echo der Zeit”.
Das war es von uns für diese Woche.
Vielen Dank für deine Treue und Vertrauen.
Redaktionsschluss: 19:25
Weekly 11/2026
Mit Informationen von: srf.ch, republik.ch, tagesschau.de
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