Weekly, KW 13

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Guten Abend aus der rethink-Redaktion.

95, 96, 97, 98, letzte Woche 99 und heute 100. Wenn wir uns richtig verzählt haben, ist das hier das Weekly mit der Nummer 100.

Einhundert Mal haben wir an einem Sonntag ein Weekly verschickt. Zwar manchmal auch an einem Montag oder vielleicht sogar an einem Dienstag - aber das spielt jetzt keine Rolle… Vor über 4.5 Jahren ist unser Nachrichtenrückblick das erste Mal in die Mail-Postfächer eingetrudelt. Nicht an 100 Personen, so gross sind wir noch nicht, aber auch das ist jetzt nicht wichtig.

Nach einiger Zeit kam dann der Podcast dazu. Er eröffnete uns die Möglichkeit, auch die Menschen zu erreichen, die lieber hören als Mails zu lesen. Die Podcasts sind seit mehr als zwei Jahren stillgelegt, aber da die rethink-Wohnung vor einigen Wochen umgezogen ist und damit die Redaktion wieder einen grösseren Schreibtisch zur Verfügung hat, können auch die audiophilen Inhalte zurückkehren. Das Weekly Nr. 100 ist nun wieder zu hören. Entweder bei uns auf der Website oder auf jeder Podcast-Plattform deines Vertrauens. Einfach nach “Weekly rethink” suchen.

Und damit genug über uns. Wir schauen nun auf die wichtigsten Nachrichten der Woche:

Wir verschaffen Dir einen Überblick über die Lage im Iran, erklären weshalb Giorgia Meloni zum ersten Mal eine grosse Niederlage einfahren musste, wie die Kräfteverteilung im neugewählten Folketing in Kopenhagen aussieht und was der Bildungsbericht Schweiz aussagt.

Schön bist Du heute mit dabei!

Dänemark hat ein neues Parlament.

Am Dienstag wurde in Dänemark gewählt. Die Sozialdemokraten von Regierungschefin Mette Frederiksen wurden zwar mit 21.9 Prozent der Stimmen erneut stärkste Partei, schnitten aber so schlecht ab wie seit Jahrzehnten nicht.

16 Parteien zählt das neue Parlament nun. Die Kräfte der bisherigen Zentrumskoalition haben ihre Mehrheit verloren. Trotzdem können die Ministerpräsidentin Frederiksen und der liberale Aussenminister Lars Løkke Rasmussen damit rechnen, an der Macht zu bleiben. Und das auch dank Donald Trump.

Hintergrund:
Mette Frederiksen regiert in Dänemark seit 2019. Sie profitierte in den vergangenen Monaten von ihrer klaren Ablehnung der von US-Präsident Donald Trump gewünschten Abtretung von Grönland an die USA. Frederiksens Ansehen stieg wegen ihres Widerstandes gegen den US-Präsidenten und sie rief daraufhin vorgezogene Parlamentswahlen aus – der eigentliche Termin wäre im Oktober gewesen.

Jedoch haben viele Dän:innen genug von der Fokussierung der Regierungschefin auf internationale Themen und werfen ihr vor, innenpolitische Themen zu vernachlässigen. So prägten neben der Aussenpolitik Themen wie eine geplante Reichensteuer, die Migrationspolitik und der Umweltschutz den Wahlkampf.

Was jetzt passiert:
Am Mittwoch reichte Mette Frederiksen den Rücktritt der gesamten aktuellen Regierung bei König Frederik X. ein. Mit diesem Schritt machte die Sozialdemokratin den Weg frei für die Bildung einer neuen Regierung, die sie selbst wieder führen möchte. Es ist aber noch unklar, ob sie den Sondierungsauftrag dafür erhält. Tatsächlich sind Mette Frederiksen und ihr Regierungspartner und Aussenminister Lars Løkke Rasmussen – deren zwei Parteien auf gerade einmal 52 der 179 Sitze kommen – nun für die Bildung einer Regierung auf das Mitspielen weiterer Parteien links und rechts der Mitte angewiesen. Dabei ist die Auswahl grösser denn je in der Geschichte Dänemarks. Nicht weniger als 16 verschiedene Listen haben den Sprung ins Folketing, das dänische Parlament, geschafft: Dazu gehören auch je zwei Vertreter:innen aus Grönland den Färöer. Zwei Länder, die nach mehr Unabhängigkeit streben, ihre historische Bande zu Dänemark aber in den letzten Monaten wiederentdeckt haben. 

Vor dem Hintergrund des aussenpolitischen Sturmes markieren die Wahlen im Dänischen Königreich nicht nur ein Bekenntnis zur starken politischen Mitte, sondern auch für eine lebendige Demokratie: Bei einer Stimmbeteiligung von 84 Prozent sind im neuen Parlament gleich alle Parteien vertreten, die auch zur Wahl antraten.

Giorgia Melonis Justizreform scheitert an der Urne.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat sich mit ihren Plänen für einen grundlegenden Umbau der Justiz eine schwere Niederlage eingehandelt. In einer Volksabstimmung lehnten die Italiener:innen das Vorhaben von Melonis rechter Koalition mit klarer Mehrheit ab.

Hintergrund:
Die Justizreform gehört zu den zentralen Projekten der Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien, mit der Meloni in Rom seit dreieinhalb Jahren regiert. Italiens Rechte klagen seit Jahrzehnten darüber, dass grosse Teile der Justiz aufseiten der Linken stünden. Die Opposition und auch mehrere Organisationen von Richterinnen und Staatsanwälten werfen der Regierung aber vor, sich die Justiz gefällig machen zu wollen.

Kern der Reform ist es, die Laufbahnen von Richtern und Staatsanwältinnen zu trennen, so wie das in den meisten europäischen Ländern üblich ist. Zudem soll es neue Selbstverwaltungsorgane für Richterinnen und Staatsanwälte geben. An deren Besetzung soll das Parlament beteiligt werden. Damit hätte die Politik mehr Einfluss auf Personalentscheidungen erhalten.

Was jetzt passiert:
Noch vor Verkündung der definitiven Auszählung der Stimmzettel am Montagabend, gestehte Meloni ihre Niederlage ein. In einem Video auf Twitter sagte die Regierungschefin: “Die Italiener haben entschieden. Und wir werden diese Entscheidung respektieren.”

Die Vorsitzende der Rechtspartei Fratelli d’Italia (zu deutsch Brüder Italiens) sprach von einer “verlorenen Chance zur Modernisierung Italiens”. Zugleich bekräftigte sie, die “Arbeit zum Wohl der Nation” fortsetzen zu wollen. 

Bei allem Streit über die Reform, sind sich die meisten einig darin, dass es im italienischen Justizsystem tatsächlich Veränderungsbedarf gibt. Dort dauert es deutlich länger als in vielen anderen Ländern, bis Recht gesprochen wird. Nach einer Umfrage vertrauen nur vier von zehn Italiener:innen ihrer Justiz.

Die Lage im Iran.

In Kürze:
US-Präsident Donald Trump gerät innenpolitisch unter Druck, die Preise für Öl steigen nicht nur in den USA, ein Grossteil der US-Amerikaner:innen unterstützt den Krieg gegen Iran nicht und geht dagegen auf die Strasse, die Zustimmung sinkt und das ein einem Jahr, in dem Zwischenwahlen stattfinden. Die Anfangs Woche angekündigten Gespräche mit Iran wurden von dessen Regime dementiert, der übermittelte 15-Punkte-Plan soll aus dem Iran abgelehnt worden und eigene Bedingungen für ein Ende des Krieges aufgestellt worden sein.

Der Iran bombardiert weiter zivile und militärische Ziele in der gesamten Region, darunter auch immer wieder Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait, die sich eigentlich nicht am Krieg beteiligen wollen. Iran kontrolliert weiter die wichtige Seeverbindung in der Strasse von Hormuz, wobei mittlerweile gewissen Öl-Tanker die Durchfahrt erlaubt wurde.

Die Lage der Bevölkerung in Iran gestaltet sich schwierig, regimekritische Stimmen werden nicht geduldet, vor einem Monat haben die Behörden Zugang zum weltweiten Internet gekappt. Die Bevölkerung hat seit dem 28. Februar nur Zugang zu einem eingeschränkten internen Intranet, in dem es nur staatlich genehmigte Inhalte gibt. Ein Volksaufstand und damit vielleicht sogar Regimewechsel scheint aktuell undenkbar.

Israel sendet nicht nur Raketen nach Iran, sondern wird auch von den Hisbollah aus dem Libanon angegriffen, welche aus Teheran unterstützt werden. Dagegen will Israel nun mit einer Bodenoffensive vorgehen. Weite Teile des Südlibanons wurden auf Raten Israels evakuiert. Die humanitäre Lage im Libanon wird indes immer prekärer, laut den Vereinten Nationen UNO sind mehr als eine Million Menschen auf der Flucht.

Länder wie die Türkei und Pakistan setzen sich mit aller Kraft dafür ein, dass Gespräche zwischen Iran, Israel und den USA stattfinden und vor allem: dass sich die angegriffenen Golf-Staaten weiterhin zurückhalten und nicht ins Kriegsgeschehen einsteigen.

Was jetzt passiert:

Auf Seiten der USA hat der Aussenminister Marco Rubio offiziell den Auftrag für Verhandlungen mit dem Iran übernommen. Ein wichtiges Zeichen nach Teheran. Denn Rubio soll nach Informationen aus der Trump-Administration deutlich zurückhaltender zum Angriff auf den Iran gewesen sein, als etwa der Präsident oder der Verteidigungsminister. So soll er etwa vor dem Angriff in Frage gestellt haben, ob eine US-Intervention wirklich so schnell und schmerzlos stattfinden könne wie vorgesehen. Die internationale Diplomatie erhofft sich durch diese Besetzung auch eine höhere Bereitschaft für einen Kompromiss.

Bei einem Treffen der 7 wichtigsten Industriestaaten nahe Paris am Freitag schlug Rubio dann auch andere Töne als bisher an. Er verzichtete auf die schrillen antieuropäischen Töne, die in Washington üblich geworden sind. Das ist auch ein Indiz, dass Präsident Trump selber unter starkem Druck steht. Dieser verlängerte die Frist für die Freigabe der Strasse von Hormuz durch den Iran auf zehn Tage. Bis zum 7. April soll es keine Angriffe auf iranische Kraftwerke geben, dafür soll Iran alle Schiffe passieren lassen.

Die vielleicht auffälligste Erkenntnis nach dem G7-Treffen in Frankreich: Während US-Aussenminister Rubio darauf verwies, dass die Europäer an einem Frieden in Iran auch Interesse hätten, erinnern die Europäer die Amerikaner an deren Interesse an der Beendigung des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Bisher sassen die Europäer in der Klemme: Sie mussten befürchten, dass sich Trump für das europäische Abseitsstehen im Iran rächen könnte, indem er die Ukraine aufgibt. “Die Ukraine, das ist nicht unser Krieg”, sagte der amerikanische Präsident vor dem G7-Treffen als sehr direkte Antwort auf Sprüche vieler europäischer Politiker, der Krieg im Iran sei nicht der Krieg der Europäer.

Je stärker die US-Regierung aber weltwirtschaftlich unter Druck gerät, desto mehr hört sie die ukrainischen Standpunkte zumindest an.

Bildungsbericht Schweiz.

In der Schweiz erreichen noch 90.1 Prozent aller 25-Jährigen einen Abschluss auf der Sekundarstufe II. Das zeigt der neuste Bildungsbericht, der alle vier Jahre vorgelegt wird. Ziel wäre es, dass 95 Prozent aller 25-Jährigen einen solchen Abschluss in der Tasche haben.

Unter dem Titel Sekundarstufe II werden in der Schweiz Bildungsgänge nach der obligatorischen Schulzeit, wie etwa gymnasiale Maturitätsschulen, Fachmittelschulen und berufsbildende Ausbildungen, zusammengefasst.

Hintergrund:
Noch im Jahr 2016 erreichten 91.5 Prozent aller 25-Jährigen einen solchen Abschluss. Seither ist die Quote zuerst auf 91.1, und nun 90.1 Prozent gesunken. Das sei mit Blick auf die Arbeitsmarktfähigkeit der 25-Jährigen wichtig, teilten der Bund und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektor:innen (EDK) am Montag mit. Die sinkende Abschlussquote wird mit der vor allem in der Romandie zu wenig attraktiv geltenden Berufsbildung erklärt. In den Westschweizer Kantonen betrage die Quote zwischen 85 und 92 Prozent, in der Deutschschweiz zwischen 92 und 96 Prozent. Der unterschiedliche Werte der Berufsbildung zeige sich in seinem Heimatkanton Wallis, sagt der Staatsrat und EDK-Präsident Christophe Darbellay. Im französischsprachigen Monthey erreiche die Quote der 25-Jährigen mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II 82 Prozent, in Visp im Oberwallis 98 Prozent. Dort sei die Berufsbildung stark. Doch auch in städtischen Regionen, wie etwa Zürich oder dem Stadtkanton Basel, werden im Vergleich weniger berufsbildende Abschlüsse verzeichnet.

Was jetzt passiert:
In einer ersten Einschätzung des neuen Bildungsberichts betonten Bundespräsident Guy Parmelin und EDK-Präsident Darbellay, dass die gemeinsamen bildungspolitischen Ziele langfristig angelegt seien. Ob zusätzliche Massnahmen oder neue Zielsetzungen notwendig sind, soll nun auf Grundlage des neuen Berichts geprüft werden.

Der Bericht ist rund 400 Seiten stark und bündelt das aktuelle Wissen zum Schweizer Bildungssystem über alle Bildungsstufen hinweg. Bund und Kantone tragen gemäss Bundesverfassung gemeinsam die Verantwortung für die Bildung in der Schweiz. Während die obligatorische Schule in der Kompetenz der Kantone liegt, sind die Zuständigkeiten im nachobligatorischen Bereich zwischen Bund und Kantone aufgeteilt.

Und damit sind wir am Ende von diesem Weekly angelangt. Vielen Dank für Dein Vertrauen und bis nächste Woche!


Redaktionsschluss: Samstag, 28. März um 21 Uhr
Weekly 13/2026

Mit Informationen von: watson.ch, srf.ch, republik.ch

Headerbild von Milad Fakurian auf Unsplash

© rethink-blog 2026

Oli Wingeier

Oli, findet alles Neue spannend und erstmal gut, ausser die neuen Rechten. Duscht jeden Morgen zu lange, besitzt mehr als tausend Notizbücher und zu viele Gedanken (oder umgekehrt).
Für rethink wühlt er sich jede Woche durch etliche Nachrichten und kreiert dann daraus eine Zusammenfassung der wichtigsten News. Zu lesen und hören als “Weekly”

https://instagram.com/oli.wingeier
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Weekly, KW 12