Weekly, KW 42

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Guten Abend aus der rethink-Redaktion.

Wir werfen diese Woche einen Blick nach Deutschland, wo viele Medien und Journalist:innen die Pressefreiheit in Gefahr sehen, nach Frankreich, wo ein Cyberangriff die Vulnerabilität in unserem Alltag aufzeigte und in die Schweiz, zur Entwicklung der Lebenserwartung.

Cyberangriff taut Lebensmittel auf.

In der Nacht auf Montag hat eine gross angelegte Cyberattacke Kühlanlagen in den Supermärkten von mehreren grossen französischen und niederländischen Lebensmittelhändler gestört. Die Kriminellen liessen viele Kühlregale aus der Ferne auf 50 Grad hocheizen. Folge: Allein in Frankreich musste in vielen hundert Filialen der Märkte von Intermarché, Leclerc, Carrefour und Monoprix Tiefkühlware weggeworfen werden. Ein Manager sprach von einem nie dagewesenen Anschlag auf die Lebensmittelversorgung der Franzosen.

Die Hacker griffen die dänische Firma Danfoss an, die zentral die Stromversorgung und damit die Kühltätigkeit der betroffenen Anlagen in Frankreich regelt. Ausserdem haben die Hacker auch zwei Produkte des US-Kühlsysteme-Herstellers Copeland erfolgreich attackiert.

Dass mehrere Kühlaggregate zentral gesteuert werden, mache energietechnisch Sinn, sagt Reto Widmer, Digitalredaktor bei SRF. So könne man die Kühlregale gezielt ein- und ausschalten, etwa je nach Verfügbarkeit vom Stromnetz. Die zentrale Steuerung aber habe es den Hackern erleichtert, mit einem einzigen Cyberangriff auf Danfoss auf hunderte Kühlregale Zugriff zu erhalten.

Im Gegensatz zu den meisten Hackerangriffen, wo Daten gestohlen werden, um Geld zu erpressen, ging es bei Danfoss um die physische, analoge Welt.

Die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung ist Teil der kritischen Infrastruktur – wie die Energieversorgung, die Spitäler oder militärische Anlagen. Die Angreifer könnten versucht haben, ein Chaos auszulösen: Die Bevölkerung werde durch den Ausfall des Kühlguts verunsichert und möglicherweise zu Hamsterkäufen animiert.

Cyberangriffe wie dieser auf Kühlanlagen dürften als hybride Kriegsaktionen gewertet werden. Die französische Agentur für die Entwicklung von Cyberkriminalität hat die Ermittlungen übernommen. Noch gibt es keinerlei Hinweise auf die Täterschaft.

Donald Trump umgeht Russland-Sanktionen.

Weltweit steigen die Preise für Treibstoff, vor allem für Diesel. Und damit wird der Transport teurer – sowie alles Transportierte. Das ist ein Problem für US-Präsident Donald Trump: Seine Beliebtheit sackt ab – und mit ihr die Wahl­chancen der Republikaner bei den Zwischen­wahlen Anfang November. Vor einer Woche gab Trump deshalb bekannt: einen Deal mit Russlands Präsident Wladimir Putin über 300 000 Tonnen Diesel. Trotz laufender Sanktionen. Das fast Empörendste dabei war der nicht existente Vorteil, den Trump dadurch bekommen würde. Russlands Lieferung macht keinen Unterschied: Sie würde nicht einmal einen Tages­bedarf der USA von 500 000 Tonnen decken.

In der Schweiz wird währenddessen der Flugtreibstoff knapp. Wegen logistischer Probleme auf dem Rhein und im Schienengüterverkehr droht am Flughafen Zürich eine Unterversorgung. Deshalb dürfen nun die Pflichtlager angezapft werden. Das hat der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung des Bundes entschieden. Konkret sollen in den nächsten zwei Wochen bis zu 30 Millionen Liter Kerosin freigegeben werden. Das entspricht 6.5 Prozent des eingelagerten Flugtreibstoffes.

Zweifelhafte Beweismittelsicherung in Deutschland.

Was sich Anfang dieser Woche in den Hamburger Redaktionsräumen von der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT abgespielt hat, gibt in deutschen Medien seit Tagen zu reden. Am Montag hatten Vertreter von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Hamburg die Redaktion aufgesucht und mit einer Durchsuchung gedroht. Die vom Landgericht Hamburg erlassene Durchsuchungsanordnung umfasste die Herausgabe von Tonaufzeichnungen der Gespräche, die im Zusammenhang mit dem Podcast “House of Block” angefertigt wurden. Die Aufzeichnungen wurden den Behörden aufgrund des Beschlusses versiegelt übergeben. DIE ZEIT geht juristisch gegen die Beschlagnahmung vor.

Hintergrund:
Vor dem Landgericht Hamburg findet derzeit der Prozess gegen die Hamburgerin Christina Block statt. Sie ist Tochter und Erbin von Eugen Block, der von Hambug aus mehrere Gastronomiebetriebe gründete. Darunter die Steakhaus-Kette “Block House”. Christina Block soll die Entführung zweier ihrer Kinder in Auftrag gegeben haben, die bei ihrem Vater in Dänemark leben. Im ZEIT-Podcast “House of Block” kommen unter anderem eines dieser Kinder und der Vater zu Wort. Christina Block weist die Vorwürfe zurück.

Das Landgericht wertete die Mitschnitte der Gespräche, die auch das unveröffentlichte Material umfassten, als mögliche Beweismittel im laufenden Prozess gegen Christina Block und sechs weitere Angeklagte. Ausserdem suchten die Behörden nach einem angeblichen Vertrag zwischen dem Vater der Kinder und DIE ZEIT. Die Verlagsgruppe bestreitet, dass es nie Verträge zwischen dem Medienhaus und Protagonisten gebe.

Mehrere Journalistenverbände haben das Vorgehen der Behörden kritisiert. Reporter ohne Grenzen sprach von einem “schweren Angriff auf die Pressefreiheit”. Der Quellenschutz sei eine zentrale Voraussetzung für unabhängigen Journalismus und müsse auch in einem Strafverfahren gewährt bleiben. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (djUu) forderte die sofortige Rückgabe des beschlagnahmten Materials. Die Redaktion habe die Durchsuchung der gesamten Redaktionsräume nur abwenden können, indem sie die Aufnahmen herausgab. Mit solchem Zwang würden Redaktionsgeheimnis und Quellenschutz ausgehebelt.

Lebenserwartung in der Schweiz steigt, jedoch so langsam wie nie seit Messbeginn

Frauen leben in der Schweiz nach wie vor länger als Männer, doch der Abstand schrumpft. Die Differenz in der Lebenserwartung sank inzwischen auf 3,9 Jahre. Um 1990 lag sie noch bei rund 7 Jahren.

Die neuen Sterbetafeln für den Zeitraum 2018/2023 des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, dass die Lebenserwartung weiter gestiegen ist. Sie liegt heute bei 81,6 Jahren für Männer und 85,5 Jahren für Frauen. Der Zuwachs war aber so klein wie nie seit den ersten Sterbetafeln von 1876/1880: Männer gewannen im letzten Jahrzehnt 1,5 Jahre, Frauen 1,0 Jahre. Zwischen 2000 und 2010 waren es noch 2,9 beziehungsweise 1,7 Jahre. Gebremst hat unter anderem die Covid-19-Pandemie, die in den Beobachtungszeitraum fiel. Zudem gibt es bei den häufigsten Todesursachen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, kaum noch grosse Fortschritte in den Behandlungsweisen zu erzielen.

Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich die Dynamik verändert hat. In den 1920er-Jahren stieg die Lebenserwartung innerhalb von zehn Jahren um 4,8 Jahre bei den Männern und 5,6 Jahre bei den Frauen. Das ist der stärkste Anstieg seit Messbeginn.

Bleiben die Wetteraussichten.

Nächste Woche ist mit Nebel, Bise, Sonne und vereinzelt Niederschlag mehr oder weniger alles was das Wetter zu bieten hat vertreten. Temperaturen bleiben im Verlauf der Woche näher bei 10 als 20 Grad. Am Wochenende Schneefallgrenze um 1200 Meter.

Und damit sind wir am Ende des heutigen Weekly angelangt. Schön warst Du wieder mit dabei. Wie immer freuen wir uns über dein Feedback und dass du uns weiterempfiehlst. 


Redaktionsschluss: 17:45 Uhr
Mitarbeit: Antoine Bumann
Weekly 42/2026

Mit Informationen von: srf.ch, republik.ch, zeit.de, br.de, watson.ch, bfs.admin.ch

Headerbild von Milad Fakurian auf Unsplash

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Oli Wingeier

Oli, findet alles Neue spannend und erstmal gut, ausser die neuen Rechten. Duscht jeden Morgen zu lange, besitzt mehr als tausend Notizbücher und zu viele Gedanken (oder umgekehrt).
Für rethink wühlt er sich jede Woche durch etliche Nachrichten und kreiert dann daraus eine Zusammenfassung der wichtigsten News. Zu lesen und hören als “Weekly”

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Weekly, KW 41