Weekly, KW 01
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Guten Abend aus der rethink-Redaktion.
In dieser ersten Woche des Jahres versuchen wir Dir eine Erklärung über die US-Eskalation in Venezuela zu liefern, weiter geht es mit einem massiven Stromausfall in Berlin.
Wir beginnen aber mit einer aktuellen Zusammenfassung über den verheerenden Brand in Crans-Montana an Silvester.
Das wissen wir Heute.
Bei der Brandkatastrophe in einer Bar in der Walliser Tourismusdestination Crans-Montana sind in der Neujahrsnacht bisher 40 Menschen gestorben. Bis Redaktionsschluss konnten 24 der Verstorbenen und 113 der 119 verletzten Personen identifiziert werden.
Hintergrund:
Gegen 1:30 Uhr in der Nacht auf den 1. Januar wurde in der Bar “Le Constellation” ein Feuer gemeldet. Laut Polizei sind zwei Minuten später erste Einsatzkräfte vor Ort gewesen.
Nach aktuellem Kenntnisstand wurde es durch funkensprühende Bengalkerzen auf Champagnerflaschen ausgelöst, welche Akustikdämmplatten an der Decke der Bar entzündet haben sollen. Laut den Walliser Behörden ist es danach in der zweistöckigen Bar zu einem sogenannten Flashover gekommen. Also zu einem schlagartigen Ausbreiten des Feuers. Ein solcher Feuersprung entsteht aus den Rauchgasen eines zunächst kleinen Brandes. Wenn etwa ein Rechaud oder eine Kerze einen Brand auslöst, entstehen Rauchgase. Können diese nicht entweichen, sammeln sie sich an. Und wenn zusätzlich genügend Sauerstoff vorhanden ist und die Temperatur dann ansteigt, kommt es zum Feuersprung. Die ganze Rauchschicht brennt auf einen Schlag und es kommt zu Temperaturen von bis zu 1’000 Grad Celsius.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hat am Samstag eine Strafuntersuchung gegen die beiden Barbetreibenden eröffnet, dies auf der Basis der ersten Ermittlungsergebnisse. “Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen”, heisst es in einer Mitteilung. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Bis am Sonntagnachmittag wurden 24 der Todesopfer identifiziert. Es handelt sich um Menschen zwischen 14 und 39 Jahre alt, viele von ihnen minderjährig.
Von den 119 Verletzten sind aktuell 113 identifiziert. 71 von ihnen stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, 4 aus Serbien. Aus Bosnien, Polen, Belgien, Luxemburg und Portugal stammt je eine verletzte Person. In den übrigen Fällen ist die Nationalität noch nicht bekannt.
Wegen der vielen Opfer mit schwersten Verbrennungen hat die Schweiz bereits an Neujahr die Aktivierung des EU-Katastrophenmechanismus beantragt. Über dieses Verfahren koordiniert die EU Hilfe bei grösseren Katastrophen in Mitgliedsstaaten und gewissen Nicht-EU-Ländern. 50 Patient:innen wurden oder werden noch in spezialisierte Kliniken im Ausland gebracht. In einer ersten Phase habe für alle 119 Verletzten eine Erstversorgung in Schweizer Spitälern sichergestellt werden können, schreibt der Bund. Die Kapazitäten in der Schweiz reichten aber nicht aus, um die Brandopfer langfristig behandeln zu können.
Die USA greifen Venezuela militärisch an, verhaften den Präsidenten, bringen ihn ausser Landes, wollen die Kontrolle übernehmen, verstossen damit gegen UN-Charta und internationales Völkerrecht und sehen sich dabei im Recht.
Die USA haben in der Nacht von Freitag auf Samstag Venezuela angegriffen und den autoritär herrschenden Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen. Vieles ist inzwischen klar, vieles aber auch noch nicht. Ereignisse, Zusammenhänge und Reaktionen im Überblick.
Hintergrund:
Bis Ende des 20. Jahrhunderts waren die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Venezuela eng und kooperativ, geprägt von starkem Ölexport und militärischer Zusammenarbeit. Mit der Wahl Hugo Chávez’ zum Präsidenten 1999 verschlechterte sich diese grundlegend. Chávez positionierte sich anti-amerikanisch und knüpfte Allianzen mit US-Kritikern wie Kuba, Iran, Russland und China.
Venezuela warf 2002 den USA Unterstützung bei einem Putschversuch vor, während die USA Chávez als “negative Kraft” in der Region brandmarkten. 2006 verhängten die USA ein Waffenembargo wegen mangelnder Anti-Terror-Zusammenarbeit. Unter Barack Obama gab es kurzfristige Annäherungen, doch 2015 stufte Obama Venezuela per Executive Order als “Bedrohung für die US-Sicherheit” ein und verhängte erste Sanktionen gegen Beamte wegen Menschenrechtsverletzungen.
Nach Chávez’ Tod 2013 und Nicolás Maduros Amtsantritt vertiefte sich die Krise durch Venezuelas Wirtschaftskollaps (Hyperinflation, Massenexodus). Die USA erweiterten Sanktionen 2017 auf die Ölindustrie PDVSA und erkannten 2019 Oppositionsführer Juan Guaidó als Interimspräsidenten an, was zum Abbruch diplomatischer Beziehungen und der Ausweisung von US-Diplomaten durch Präsident Maduro führte.
Ab 2020 fokussierten US-Anklagen auf Drogenhandel: Das Justizministerium nannte Präsident Maduro und die venezolanische Regierung “Narco-Terroristen” und setzte 15 Millionen US-Dollar Kopfgeld aus.
Laut dem ehemaligen Leiter des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung ist die Darstellung Venezuelas als “Drogenstaat” eine “geopolitisch motivierte Verleumdung” der US-Regierung; er verweist auf den Weltdrogenbericht 2025 und seine eigene Erfahrung, laut der die Zusammenarbeit der venezolanischen Regierung im Kampf gegen den Drogenhandel eine der besten in Südamerika sei. Analysten vermuten, hinter dem gestiegenen Interesse der USA an Venezuela liege nicht der Drogenhandel, sondern Venezuelas Ölreserven, die zu den weltweit grössten zählen.
Trumps Wiederwahl im November 2024 und die Erhöhung des Kopfgelds auf 50 Millionen US-Dollar am 8. August 2025, markierten den Übergang zur militärischen Eskalation.
In den folgenden Wochen intensivierten die USA die Präsenz von eigenen Truppen vor der venezolanischen Küste. Anfang September trafen zwei Flugzeugträgerkampfgruppen mit Zerstörern und U-Booten vor Venezuela ein. Am 15. September kam es zum ersten Zwischenfall: Die USA feuerten Warnschüsse auf ein venezolanisches Patrouillenboot nahe Aruba ab, das als “Drogenfahrzeug” eingestuft wurde. Dies markierte den Beginn einer Serie von 28 bestätigten US-Angriffe auf mutmassliche Drogenboote bis Dezember, bei denen 104 Personen getötet wurden, darunter angeblich Kartellmitglieder und venezolanische Seeleute.
Ende November verschob sich der Fokus auf Ölexporte: Trump warf Venezuela “Ölklau vor der US-Küste” vor. US-Kriegsschiffe stoppten und durchsuchten fünf PDVSA-Tanker und konfiszierten 2 Millionen Barrel Rohöl als “illegale Exporte”. Dies führte zu einem 40-prozentigem Einbruch der venezolanischen Ölexporte. Trump kündigte Mitte Dezember weitere Beschlagnahmungen von Öltankern an und schloss einen Krieg ausdrücklich nicht aus. Am 22. Dezember forderte die US-Ministerin für Innere Sicherheit einen Machtwechsel in Venezuela, wenig später legte Trump Maduro ausdrücklich den Rücktritt nahe. Am 23. Dezember erfolgte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu den Spannungen zwischen Venezuela und den USA.
Das ist geschehen:
In der Nacht auf Samstag, ab etwa 2 Uhr Ortszeit, stiegen über Caracas schwarze Rauchwolken auf. Für etwa 90 Minuten waren Flugzeuge zu hören. Bei dem US-Angriff wurden laut venezolanischen Angaben Soldaten und Zivilist:innen getötet, die Zahl ist aber offen. US-Kräfte seien nicht getötet worden, sagte Trump.
Nicolás Maduro und seine Frau wurden gefangen genommen und befinden sich inzwischen in New York, wo sie vor Gericht gestellt werden sollen.
Die USA werfen Maduro vor, nicht rechtmässig gewählt zu sein. Washington erkennt Maduro seit 2024 nicht mehr als Präsidenten an. Die von Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado geführte Opposition hatte erklärt, sie habe die letzten Wahlen klar gewonnen.
Das US-Justizministerium hat eine neue Anklage gegen Maduro und dessen Frau Cilia Flores bekannt gegeben. Maduro wird in der Anklageschrift die Leitung einer korrupten Regierung vorgeworfen. Zudem habe er jahrelang mit Hilfe der Regierungsmacht illegale Unterfangen wie den Drogenschmuggel vorangetrieben. Von dem Drogenschmuggel habe die Elite von Venezuela profitiert, heisst es weiter. Maduro habe mit Drogenterroristen zusammengearbeitet, um tonnenweise Kokain in die USA zu bringen.
Was jetzt passieren soll:
Die USA werden nach den Worten von US-Präsident Donald Trump zunächst weiter eine tragende Rolle in Venezuela anstreben. "Wir werden uns jetzt um das Land kümmern, bis wir einen sicheren, geordneten und umsichtigen Übergang gewährleisten können", sagte er auf einer Pressekonferenz am Samstagmittag (Ortszeit).
Gleichzeitig kündigte er an, US-Ölfirmen sollten in Venezuela aktiv werden, um "anzufangen, Geld für das Land zu machen". Die US-Ölfirmen würden "Milliarden von Dollar" in dem südamerikanischen Land investieren und die Infrastruktur wieder aufbauen, um das Ölgeschäft anzukurbeln, sagte Trump.
Das US-Ölembargo gegen Venezuela bleibe jedoch vorerst weiter in Kraft. Eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela "reich, unabhängig und sicher" machen.
So reagiert Venezuela:
Die venezolanische Regierung wirft den USA eine militärische Aggression gegen zivile und militärische Ziele vor. Die Angriffe verletzten die UN-Charta. Den USA gehe es um Venezuelas Bodenschätze und um einen Regierungswechsel.
Die venezolanischen Streitkräfte haben Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als vorübergehende Staatschefin anerkannt. Nach der Gefangennahme von Staatschef Maduro übernehme sie verfassungsgemäss die Führung des Landes, sagte Verteidigungsminister Vladimir Padrino.
Nach Maduros Festnahme durch die USA gibt es in Lateinamerika Lob für Trump, aber auch Sorge vor einem Präzedenzfall. Die Intervention spaltet den Kontinent, so SRF-Südamerikakorrespondentin Karen Naundorf.
Das sagt die internationale Gemeinschaft:
Der Konflilkt löste weltweit geteilte Reaktionen aus. Die USA erhielten Unterstützung von rechtsgerichteten Regierungen, während der Iran, Kuba, Russland und China Venezuela beistanden.
Brasilien warnte vor “Vietnam-ähnlicher regionaler Eskalation” und forderte diplomatische Verhandlungen. UN-Generalsekretär António Guterres kritisierte die unilateralen Angriffe als “rechtswidrig” und rief zur Einhaltung der Völkerrechts auf. Die EU und europäische Staaten forderten Deeskalation und Verhandlungen, ohne gross Partei zu ergreifen. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte laut einer Mitteilung: “Nicolás Maduro hat sein Land ins Verderben geführt." Die letzte, gefälschte Wahl habe Deutschland nicht anerkannt. Maduro spiele "mit unseligen Allianzen weltweit und durch die Verstrickung Venezuelas in das Drogengeschäft eine problematische Rolle".
Weiter sagte Merz: "Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit. Grundsätzlich müssen im Umgang zwischen Staaten die Prinzipien des Völkerrechts gelten." Es dürfe nun keine politische Instabilität entstehen und ein "geordneter Übergang" zu einer "durch Wahlen legitimierten Regierung" müsse gewährleistet werden.
Das sagt das Recht:
Trump sprach auf seinem Social-Media-Dienst Truth Social von einem "erfolgreichen gross angelegten Schlag“. Laut Expert:innen ist das Vorgehen völkerrechtlich wohl kaum zu rechtfertigen.
Grundsätzlich sind nach dem Völkerrecht die Staaten verpflichtet, friedlich miteinander umzugehen. Die rechtliche Grundlage dafür findet sich in der Charta der Vereinten Nationen (UN). Danach gilt das völkerrechtliche Gewaltverbot.
Der Völkerrechtsprofessor Christoph Safferling von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen sagt gegenüber der deutschen Tagesschau: "Luftangriffe und Truppen auf fremdem Staatsgebiet stellen eine Verletzung des Gewaltverbots dar.
Nur einen Ausnahmefall vom Gewaltverbot gibt es: das Selbstverteidigungsrecht. Dieses ist ebenfalls in der UN-Charta ausdrücklich erwähnt. Ein Staat darf militärische Mittel anwenden, wenn er selbst angegriffen wird. Zu den legitimen Verteidigungshandlungen zählen dann auch Schläge auf militärische Ziele auf dem Gebiet des angreifenden Staates.
Diese Situation trifft aber nicht auf den vorliegenden Fall zu, sagt der Völkerrechtsprofessor Safferling: "Ein 'war on terror' oder ein 'war on drugs', wie er von den USA ausgerufen wurde, hat rechtlich keine Relevanz, er rechtfertigt nichts."
Auch "die gewaltsame Gefangennahme eines Staatschefs eines anderen Staates auf dem Gebiet dieses Staates stellt völkerrechtlich einen Verstoss gegen die UN-Charta dar", sagt Völkerrechtsexperte Safferling.
Ob das Vorgehen der USA international sanktioniert werden wird, ist jedoch fraglich. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen könnte zwar prinzipiell zu Zwangsmassnahmen greifen. Jedoch besitzen die USA hier ein Vetorecht.
Stromausfall in Berlin.
Im Südwesten von Berlin ist am Samstagmorgen in weiten Teilen der Strom ausgefallen. Grosse Teile von Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde sind betroffen. In dem Gebiet sind am Sonntagnachmittag noch etwas mehr als 30’000 Haushalte und etwa 1’900 Gewerbekunden von der Energieversorgung abgeschnitten.
Hintergrund:
Grund für den Ausfall war eine brennende Kabelbrücke über den Teltowkanal, nahe des Kraftwerks Lichterfelde. Das Feuer ist gelöscht, die Polizei ermittelt in alle Richtungen - ein Bekennerschreiben der linksextremen “Vulkangruppe” wird als authentisch eingestuft. In dem Schreiben heisst es unter anderem: “Stromausfälle waren nicht Ziel der Aktion, sondern die fossile Energiewirtschaft”. Der Brandanschlag sei als “Akt der Notwehr und der internationalen Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen", zu verstehen.
Was jetzt passiert:
Erwartet wird, dass ein Gros der Betroffenen bis Donnerstag ohne Strom bleiben könnte. Zeitweise starker Schneefall und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt verschärfen das Problem für die betroffenen Haushalte. Seit der Nacht zu Sonntag werden erste Haushalte nach und nach wieder mit Strom versorgt. Viele Schulen werden zunächst geschlossen bleiben.
Und damit kommen wir in diesem - den aktuellen Umständen geschuldet - eher ausführlichen Weekly langsam aber sicher zum Ende.
Als Lektüre heute Abend oder in der nächsten Woche, empfiehlt die rethink-Redaktion herzlichst ein neuer Text auf rethink:
Redaktionsschluss: 19:30
Weekly 01/2026
Mit Informationen von: Keystone-SDA, republik.ch, spiegel.de, nytimes.com, srf.ch
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